Die Tücken des Lastenradfahrens

Wieso braucht es ein eigenes Routing für Lastenräder?

Lastenräder sind einer der Hoffnungsträger der urbanen Logistik. Abgasfrei, leise und staufrei haben sie einige Vorteile gegenüber herkömmlichen Kraftfahrzeugen. Das Fraunhofer IAO arbeitet im Forschungsprojekt SmartRadL an den Herausforderungen, die Lastenrad-Logistik mit sich bringt (mehr dazu auch hier). Im Rahmen des MobiData BW Hackathons 2020 haben wir das Team CargoRocket geformt, um uns einer ganz speziellen Herausforderung anzunehmen, die das Fraunhofer IAO identifiziert hat: Spezielles Routing für Lastenradfahrer*innen - privat und beruflich.

Schlechte Radinfrastruktur ist für Fahrradfahrer*innen nervig - für Lastenräder kann es ein unüberwindbares Hindernis sein. Lastenradfahrer*innen sind laut einer Studie des DLR zur Umfahrung schlechter Radinfrastruktur zu deutlich längeren Umwegen bereit, als Fahrer*innen normaler Fahrräder. Zu schmale Schutzstreifen verhindern das Überholen von Autos im Stau. Hindernisse wie Poller oder Drängelgitter verhindern nicht nur die Durchfahrt von Kraftfahrzeugen, sondern lassen auch zu wenig Raum für Lastenräder. Verwurzelte Radwege, Bordsteine und Kopfsteinpflaster verhindern den effizienten Transport. Während die Einflussfaktoren für die Routenwahl von Radfahrenden bereits vielfach erforscht wurde, gibt es nur wenige Studien die sich mit den speziellen Bedürfnissen von Lastenrädern beschäftigen.

Eine der wenigen Studien ist diese aus Amsterdam. Hier wurden Lastenradfahrer*innen und Stadtplaner*innen aus Amsterdam und Stockholm befragt. In beiden Städten sind die Art der Infrastruktur, die Ebenheit des Fahrbahnbelags, das Verkehrsvolumen von Autos und Schwerlast unter den Top 5 Elementen, die die Routenwahl beeinflussen. In qualitativen Interviews wurden zwei problematische Aspekte des hohen Verkehrsvolumens genannt: Ein Sicherheitsproblem, besonders für Eltern die Kinder mit Lastenrädern transportieren. Als zweiter Aspekt wurde genannt, dass Autoverkehr mit einem Lastenrad, im Gegensatz zu einem normalen Fahrrad, nicht überholt werden kann.

In dieser Studienarbeit von der TU Dresden wurden in einer Online-Befragung Dreiradfahrende zu Problemen im fließenden Verkehr befragt. Hierbei wurden Engstellen durch Drängelgitter, fehlende Bordsteinabsenkungen, nicht dauerhafte Hindernisse (z.B. Baustellen), schmale Radwege, parkende Autos und unebener Fahrbahnbelag als besondere Probleme für Lastenradfahrende identifiziert.

Die offentsichtliche Lösung zu diesen Problemen sind gute Radwege. In Baden-Württemberg wird die Radinfrastruktur stetig ausgebaut, doch dies geschieht nicht über Nacht. Wir wollen nicht so lange warten und möchten mit einem speziellen Lastenrad-Routing abhilfe schaffen. Dafür wollen wir in drei Schritten vorgehen:

  1. Probleme identifizieren: Welche Hindernisse gilt es zu umfahren?
  2. Daten ermitteln: Welche notwendigen Daten gibt es bereits, welche müssen noch erhoben werden?
  3. Mittels der Ergebnisse Routing speziell für Lastenfahrräder bereitstellen

Für den ersten Schritt ist eure Hilfe gefragt! Mit den bestehenden Studien haben wir bereits eine Idee, welche Probleme es gibt. Doch welche sind die größten und häufigsten Probleme? Und wie unterschieden sich diese für verschiedene Lastenräder, Zielgruppen und verschiedene Städte in Baden-Württemberg und Deutschland? All das möchten wir mit dieser Umfrage herausfinden. Die Ergebnisse werden anschließend hier im Blog veröffentlicht.

Hier geht’s zur Zur Umfrage.